Zusammenfassung
Clark u. Collan zeigten 1966 erstmals, daß Perfluorcarbone aufgrund ihrer Eigenschaften,
Sauerstoff in gelöster Form zu transportieren und bioverfügbar zu machen, einen direkten
Gasaustausch an der alveolo-kapillären Membran ermöglichen. Perfluorcarbone werden
im wesentlichen für zwei Indikationen medizinisch genutzt: als intravenöse Blutersatzstoffe
und als Medium zur Flüssigkeitsbeatmung. Das Perfluorcarbon Perflubron ist zusätzlich
als Kontrastmedium für radiologische Untersuchungen einsetzbar. Für die intravenöse
Anwendung müssen Perfluorcarbone emulgiert werden, für die intrapulmonale Anwendung
stehen sie als sterile, hochkonzentrierte Reinform zur Verfügung. Liquid Ventilation
kann prinzipiell in zwei Formen erfolgen, als vollständige Flüssigkeitsbeatmung (Total
Liquid Ventilation, TLV) oder als partielle Flüssigkeitsbeatmung (Partial Liquid Ventilation,
PLV). Bei der TLF wird von einer speziellen Liquidventilatoreinheit mit jedem Atemzug
das Tidalvolumen als vollständiges Flüssigkeitsvolumen appliziert, bei der PLV wird
die partiell mit Perfluorcarbon gefüllte Lunge konventionell mit einem Respirator
ventiliert. Die Wirksamkeit der vollständigen und partiellen Flüssigkeitsbeatmung
wurde in einer Vielzahl von Studien an verschiedenen Spezies untersucht und nachgewiesen.
Die Effektivität dieser Behandlungsverfahren konnte in unterschiedlichen pulmonalen
Schädigungsmodellen demonstriert werden. Creenspan publizierte 1989 die erste klinische
Anwendung bei einem Neonaten. Erste Humananwendungen der PLV beim akuten Lungenversagen
von neonatologischen, pädiatrischen und erwachsenen Patienten sind in jüngster Vergangenheit
in der Literatur beschrieben worden. Seit Mitte 1995 wird in den USA eine FDA-genehmigte
multizentrische Phase-II-Studie zur Überprüfung der Wirksamkeit der PLV beim akuten
Lungenversagen von Patienten aller Altersgruppen durchgeführt. Die PLV wurde bislang
nur an einer geringen Zahl von Patienten klinisch erprobt. Sollten sich die tierexperimentellen
Ergebnisse in der Humananwendung bestätigen, stellt sie eine bedeutsame Erweiterung
der Behandlungsmöglickeiten schwerer respiratorischer Krisen dar.
Summary
Clark and Collan demonstrated impressively in 1966 the ability of perfluorchemicals
(PFCs) to transport oxygen and to provide gas exchange across the alveolar capillary
membrane. PFCs are used for two major medical indications: as artificial blood substitutes
and as a medium for liquid ventilation. The PFC perflubron is additionally used as
a contrast medium for diagnostic radiologic procedures. For the intravenous application
perfluorocarbons have to be emulgated in phospholipids for the intrapulmonary application
the sterile pure solution is used. Liquid ventilation can either be performed by a
method known as total liquid ventilation (TLV), in which a device is utilised to ventilate
with perfluorocarbon the previously perfluorocarbon-filled lung, or as partial liquid
ventilation (PLV) in which a conventional mechanical gas ventilator is used to gas
ventilate the partially perfluorocarbon-filled lung. A number of studies have demonstrated
the efficacy of perfluorocarbon liquid ventilation in improving gas exchange and pulmonary
function in a number of animal species in the setting of acute respiratory failure.
In 1989 Greenspan reported on the first human liquid ventilation experience in a neonate.
More recently human experiences for neonatal, paediatric and adult patients with acute
lung injury have been reported. Since 1995 an FDA-approved study to examine the efficacy
of PLV in severe respiratory failure in patients of all ages has been undertaken in
the United States. The number of PLV-treated patients is still small; if PLV demonstrates
its efficacy even in the ongoing human studies, it might be a very effective additional
tool for treating severe acute lung injury.
Schlüsselwörter:
Perfluorcarbone - Liquid Ventilation - Vollständige Flüssigkeitsbeatmung - Partielle
Flüssigkeitsbeatmung - Überblick
Key words:
Perfluorcarbons - Liquid Ventilation - Total Liquid Ventilation - Partial Liquid Ventilation
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